Gardone Riviera
Vittoriale

Der malerische Komplex befindet sich in Gardone auf einem mit Olivenbäumen, Oleandern und Zuypressen bedeckten Hügel. Das Panorama unfaßt den Gardasse, das Vorgebirge von Manerba, die Halbinsel von Sirmione und das veronesische Ufer mit den Ortschaften Garda, Punta S. Vigilio una Malcesine. An den Füßen des Monte Baldo erhob sich frühet die Villa Cargnacco, ein einfaches faszinierenden Umgebung mit üppiger Mittelmeervegetation, zu der neben den bekannten Pflanzenarten auch Myrten, Lorbeer, Glyzinien, Palmen und Rosen zählen, fühlte sich Gabriele D’Annunzio besonders angezogen, der sich hier im Februar 1921 aufhielt. Er gab den Brüdern Giancarlo und Ruggero Maroni den Auftrag, das einfache Gebäude zu renovieren und es in eine der größten Residenzen am Gardasee zu verwandeln. Der Komplex wurde mit Prunk und Pomp ausgestaltet, die die mystiche, heroische und sinnliche Persönlichjeit des Dichters kennzeichneten. Die Besichtigung der verschiedenen Räume des Vittoriale erfolgt nach einem vorgeschriebenen Rundgang in einem Labyrinth von Allen, Treppen und Abhängen, in ständigem Kontakt mit der Natur und mit einer herrlichen Aussicht auf den See und auf die grünen Hügel. Hinter dem Eingang Stroße wir auf eine Reihe von Bögen, die die Allee begrenzen; in der Mitte erhebt sich die eigenartige Struktur Pilo del Piave. Die von einer plastischen Darstellung der Victoria überragt wird. Doe Skulptur ist ein Werk von A. Minerbi. Rechts befindet sich in einer malerischen Lage das Freilichttheater. Die Architektur des Gebäudes erinnert an Vorbilder der klassischen Theater; die einfachen und wesentlichen Formen besitzen eine perfekte Akustik. Deshalb wird das Theatre an warmen und hellen Sommerabeden für kulturell anspruchsvolle Theaterstücke benutzt; oft werden bekanne Werke von D’Annunzio aufgeführt.

Jenseits der Zypressen und Baumwipfel erkennt man das Profil der Gardaseeküste, und bei schönem Wetter genießt man eine herrliche aussicht. Die Piazzetta Dalmata wird von dem sog. Pilo beherrscht. Die Gebäude Prioria und Schifamondo säumen den kleinen Platz. Die Prioria (das Priorat) ziert eine Fassade mit zahlreichen Wappen, und man betritt es durch ein elegantes Säulenportal. In diesem Gebäude wohnte D’Annunzio bis zu seinem Tode (1. März 1938). Die Räume sind mit Möbeln und Gegenständen in verschiedenen Stilen ausgestattet, doch vermittelt diese eklektische Einrichtung nur einen schwachen Eindruck von der komplexen Persönlichkeit des Dichters, der sich eine kleine Welt nach seinem Maß baute, und seine Erinnerungen und Kostbarkeiten verewigen den Mythos seines literarischen Schaffens und seiner taten als Soldat.
Die Stanza della Musica (Musikzimmer), auch als Stanza del Contrappunto (Kontrapunktzimmer) bekannt, dem mutmaßlichen Erfinder der Geige. Hier sollten die Konzerte des „Quartetto dek Vittoriale“ stattfinden; das Zimmer wird von kürbisförmigen Lampen beleuchtet und ist mit dunkelrotem Brokat und schwarzem Lamé bespannt. Man bewundert zahlreiche Ziergeräta wie einen Buddha, eine Skulptur der Jagdgötrin Diana und eine Darstellung der Leda mit dem Schwan.

Doe Stanza del Mappamondo (das Globuszimmer) nimmt den wichtigsten Teil der Thode-Bibliothek, eine Irgel, napoleonischen Maschinengewehr auf. Auf dem Tisch neben dem Eingang befindet sich der Globus, der dem ganzen Zimmer seinen Namen gegeben hat.
Die Zambracca war ein Vorzimmer der Nachtzone und diente gleichzeitig als kleines Studio und Garderobe. In der Mitte des Raumes befindet sich der tisch, auf dem die liebsten Gegenstände von D’Annunzio ausgestellt sind. An diesem Tisch ereilte den Dichter der Tod durch Embolie. Im massive Nußbaumschrank kann man noch heute verschiedena Anzüge des Dichters sehen, die von seiner überspatten Persönlichkeit seugen und ein interessantes Element seines Mikrokosmos sind. Die Stanza della Leda (das Leda-Zimmer) ist in orientalischen Stil gehalten und besitzt zahlreiche Gegenstände und Hausrat, Wandteller, Kissen und Teppiche. Neben diesem Schlafzimmer befinden sich die Veranda di Apollino und das Bagno Blu. In diesem blauem Badezimmer bewundert man sahlreiche persische Fliesen. Die stanza del Lebbroso (das Zimmer des Leprakranken) inspiriert sich am Todesgedanken, das vom Dichter benutzte Bett hat die Form einer Nahre.

Die Stanza delle Reliquie (das Reliquienzimmer) ist ein Beweis der Botschaft, die uns D’Annunzio hinterlassen wollte und die aus den verschiedenene Gegenständen spricht. An der Decke hängt die Fahne von Fiume, eine Erinnerung seiner Kriegstat.
Die Stanza della Cheli verdankt ihren kuriosen Namen einer Riesenschildkröte, deren Schild als Vorbild für die Bronzeskulptur auf dem Tisch diente. Sie ist ein Werk von Renato Bozzi (1928). Der Raum diente als Eßzimmer und wurde in dekadentem stil ausgestattet. Die Wämde haben Holzverkleidungen, die in traumatischen Farben wie Schwarz, Blau, Rot und Gold bemalt sind.

Das Oratorio Dalmata war den Wartesaal für die Besucher des Dichters; zu seinen Gästen gehörte auch Benito Mussolini, der D’Annunzio in Mai 1952 besuchte. Der Raum wurde mit Kerzenlicht beleuchtet und war von scharfem Weihrauchgeruch geschwängert. Im Oratorium kann man zahlreiche Gegenstände und Erinnerungsstücke bewundern, zum Beispiel die Schraube des Wasserflugzeuges, die an der Decke hängt und an den Etappenflug von Francesco de Pinedo von Sesto Calende nach Melborune (1925) erinnert.

Die sogenannte Officina war das Studio, in dem D’Annunzio arbeitete; die niedrige Tür zwingt den Besucher, sich zu bücken; der Architrav trägt einem lateinischen Spruch, und die Atmosphäre wirkt fast sakral. Die Ausstattung ist ruhiger und maßvoll. Vielleicht war das Zimmer durch eine Bronzenskulptur von Arrigo Minerbi gekennseichnet, die Eleonora Duse darstellte und die der Dichter hinter sich stellte, während er arbeitete. Der Mythos der Theaterschauspielerin, mit der D’Annunzio lange Zeit verbunden war, zieth sich durch alle Räume dieser einzigartigen Reisdenz.
Im oberen Stock befindet sich ein kleines Studio, das als Scrittoio del Monco bekannt ist. Diese eigenartige Benennung wurde gegeben, weil hier der Dichter die Korrespondenz erledigte. Er konnte nicht alle Briefe beantworten, und so trug die Tür den Abdruck einer verstümmelten Hand mit der Inschrift aus der anderen Residenz D’Annunzios, aus der Capponcina.

Der Schifamondo wurde so bennant, weil sich der Dichter hier isolierte, um eine materielle und geistige Grenze zwischen sich und die gehaßte Welt zu setzen. Heute ist der Ort ein Museum, und hier befindet sich auch das Auditorium, wo Konzerte und kulturelle Veranstaltungen stattfinden; an der Kruppel hängt das Flugzeug SVA, mit dem D’Annunzio den legendären propagandistichen Luftangriff auf Wien (9. August 1918) mahcte. Der Schifamondo besitzt ein reiches archiv und eine Bibliotek, in der man abdrücke von Werken Michelangelos, Briefe und autobiographische Schriften, Werke und Erinnetungsstücke von Eleonora Duse sehen kann. Im Laubengang ist das Auto FIAT 4 Pininfarina ausgestellt, mit dem der Dichter von Ronchi nach Fiume umzog. Eine kleine Allee führt vom Museum, durch die üppige Vegetation der Hüdel, zu einem der wichtigsten Orte für die Persönlichkeit des Dichters. Auf dem Hügel und umgeben von Zypressen, erhebt sich das Puglia-Schiff, dessen Bug mit einer bronzenen Galionsfigur geschmückt ist, die den geflügelten sieg darstellt. Das Schiff blickt auf den Gardasee und wirkt surreal. Der Schiffsburg ist einer der wichtigsten Aussichtspunkte des Vittoriale-Komplexes und lockt immer wieder zahlreiche Besucher an. In der Nähe befindet sich der Delphinenbrunnen, der aus dem Rio Torto gespeit wird. Der Bach wurde vom Dichter acqua Pazza gennant. Nicht weit entfernt befindet sich ein niedriger Raum mit der Inschrift Memento audere semper, in dem man die Unterseeboot-Abwehr (MAS) sehen kann. Mit dieser führte der Dichter im Februar 1918 den berühmten „Buccari-Streicht“ (Beffa di Buccari) aus, der mit dem Versenken des Panzerschiffs „Santo Stefano“ endete. Die kleine Flotte wurde vom Kapitänleutnant Luigi Rizzo befehligt. Auf einem Hügel erhebt sich durch die inneren Passagen und die konzentrischen Laufgänge aus, die den Zentralkörper des Gebäudes umgeben. Auf der Spitze des Mausoleums ist auf einem Sockel der Sarg von D’Annunzio aufgestellt (1963). Rund herum befinden sich die Särge von zehn Soldaten, die mit ihm kämpften.